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Was ist Psychomotorik?

Die Psychomotorik ist ein ganzheitliches Konzept zur Entwicklungsförderung. Sie sieht das Kind im Mittelpunkt des Denkens und Handelns. Die Psychomotorik bietet vielfältige Möglichkeiten, Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Sie ist eine entwicklungs- und kindgemäße Art der Bewegungsförderung.

Der Begriff Psychomotorik beschreibt den engen Zusammenhang zwischen der äußerlich sichtbaren Bewegung (Motorik) und dem inneren Erleben (Psyche) des Menschen.

Die Psychomotorik-Therapie ist ein pädagogisch-therapeutisches Angebot.

Die kindliche Entwicklung wird als Einheit von
Bewegung,
Wahrnehmen,
Erfahren,
Fühlen,
Erleben,
Denken und
Handeln

verstanden.

Inhalte der Psychomotorik


Im Vordergrund der Psychomotorik steht die Förderung der gesamten Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes durch die Bewegung. Motorische Defizite sowie die Probleme des Kindes mit sich selbst und im Umgang mit seiner Umwelt werden in der Psychomotorik behandelt. Zudem werden Kinder in ihren eigenen Fähigkeiten gestärkt und gewinnen so mehr Selbstvertrauen. Anhand von Spielen und Übungseinheiten werden die Grob- und Feinmotorik, die Wahrnehmung (Integration der Sinne), die Konzentration, das Sozialverhalten, Kreativität und Phantasie gefördert.
Die Inhalte der Psychomotorik lassen sich in drei Kategorien unterteilen:

  • Körpererfahrung : Ich-Kompetenz, d.h. sich selbst und ihren eigenen Körper erfahren und erleben
  • Materialerfahrung: Sachkompetenz, d.h. sich mit der dinglichen Umwelt auseinanderzusetzen und spielerisch den Umgang mit verschiedenem Material kennenzulernen
  • Sozialerfahrung: Sozialkompetenz, d.h. zu lernen sich an andere Personen anzupassen, dabei aber auch in echter Kommunikation eigene Bedürfnisse durchzusetzen 

Prinzipien der psychomotorischen Therapie

  • Eine vertrauensvolle, von Leistungsdruck und Konkurrenz befreite Atmosphäre, da Kinder in unserer Zielgruppe aufgrund ihrer Sozialisation meist negative Erfahrungen mit Bewegung, Spiel und Sport verbinden.
  • Als Ausgangspunkte der Förderung stehen die - wenn auch scheinbar noch unentdeckten - Fähigkeiten des Menschen, nicht ausschließlich deren Defizite und Symptome, um ihnen die Wirklichkeit ihrer eigenen Potentiale erfahrbar zu machen und die Lust an der Bewegung zu wecken und zu nutzen.
  • Die Kinder werden auf der Ebene des gemeinsamen Spiels als gleichwertige Partner gesehen. Im Dialog werden Vorschlag und Gegenvorschlag von Kindern und Therapeut als Entwicklungskraft genutzt. Erst dann ist die gemeinsame Basis geschaffen, um gezielt bestehende Schwierigkeiten anzugehen.
  • Bewegung, Spiel und Spaß stehen im Vordergrund.
  • In der psychomotorischen Praxis werden den jeweiligen Themen der Kinder Raum und Zeit für Weiterentwicklung gegeben. Kinder brauchen Wiederholungen ebenso wie Variationen, jedes zu seiner Zeit. Individuelle Entwicklungspläne lassen genügend Spielräume für situative Umorientierung.

Ziele der Psychomotorik

Das Ziel in der Psychomotorik ist, die Handlungsfähigkeit und die Bewältigung alltäglicher Herausforderungen der Kinder über Körper-, Material- und Sozialerfahrungen zu verbessern

  • Förderung der Bewegungs – und Wahrnehmungsentwicklung
  • Erweiterung von grob- und feinmotorischen Fähigkeiten (Gleichgewicht, Körperkoordination, Steuerung, Körperspannung, Kraftanpassung)
  • Unterstützung und Förderung einer sicheren Körperwahrnehmung
  • Verbesserung der Orientierung im Raum (Raumbegriffe, Planung, Übersicht)
  • Differenzierung der Sinneswahrnehmung

 

  • Aufbau und Unterstützung eines positiven Selbstbildes
  • Steigerung des Selbstvertrauens und Selbstwertgefühls
  • Positive Erlebnisse mit sich und seinem Körper in Spiel und Bewegung
    ermöglichen
  • Selbstbewussten Umgang mit den eigenen Stärken und Schwächen 
  • Eigene Bedürfnisse erkennen
  • Motivation durch Angebot, Thema und Material
  • Erfahren an einer freundlichen und vertrauensvollen Atmosphäre, in der sich alle Kinder angenommen fühlen
  • Selbsttätigkeit der Kinder, experimentelles und entdeckendes Lernen
  • Bewegungsfreude

 

  • Förderung der sozialen Fähigkeiten und positive Ausrichtung des Verhaltens
  • Teamfähigkeit und Kooperation fördern
  • Konfliktbewältigung
  • Regeln und Strukturen einhalten, annehmen und akzeptieren
  • Ausdrucksmöglichkeiten fördern
  • Mit Stärken und Schwächen umgehen lernen
  • Hilfen geben und annehmen
  • Risiken annehmen, aber auch einschätzen
  • Emotionale und soziale Erfahrungen mit Anderen teilen / Umgang mit Gefühlen
  • Kommunikationsverhalten modifizieren
  • Das Aktivitätsniveau regulieren (steigern oder kanalisieren)
  • Gewalt- und Suchtprävention
     
  • Förderung und Integration kognitiver Fähigkeiten
  • Problemerfassung und entwickeln von Problemlösungen
  • Erkennen von Aufgabenstellungen
  • Transferleistungen auf andere Situationen
  • Neue Möglichkeiten durch Abschauen erkennen und probieren (voneinander lernen)
  • Förderung von Kreativität und Phantasie

 

  • Beratung und Begleitung der Eltern
  • Sensibilisierung des Umfeldes für die Schwierigkeiten des Kindes

Zielgruppen

Ist die Wechselbeziehung von Wahrnehmung, Denken, Fühlen und Handeln aus dem Gleichgewicht, so kann es sich dabei um Entwicklungs- oder Verhaltensauffälligkeiten oder Bewegungsbeeinträchtigung aufgrund von Erkrankungen bzw. Behinderungen handeln.

Es werden Kinder angesprochen mit,

  • Auffälligkeiten im Verhalten (z. B. Unruhe, Aggressivität, impulsives oder gehemmtes Verhalten, Regeln einhalten fällt schwer,  Schwierigkeiten im Gruppengefüge...)
  • mangelndem Selbstvertrauen und Selbstwert
  • erhöhtem oder reduziertem Bewegungsdrang 
  • motorischen Koordinationsschwierigkeiten (Gleichgewichtsprobleme, Bewegungen wirken ungeschickt, stolpern, stoßen sich oft)
  • Wahrnehmungsproblematiken
  • Unselbständigkeit, mangelnden Spielideen
  • Ängsten
  • Räumliche und zeitliche Orientierungsstörungen
  • Kommunikationsschwierigkeiten
  • Aufmerksamkeitsstörungen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • geringer Belastbarkeit und Ausdauer

Rahmenbedingungen der psychomotorischen Förderung

  • Kinder- und Jugendliche ab 3 Jahren
  • In der Regel 1x wöchentlich stattfindende Therapie
  • Einzelförderung / Kleingruppen zwischen 2 bis 6 Kindern
  • Fortlaufende Beobachtungsdiagnostik
  • Anpassung der Therapieinhalte nach individuellem Entwicklungsstand und Förderbedarf
  • Anamnesegespräch und Elternberatung
  • Im Einverständnis mit den Eltern wird eine Zusammenarbeit mit Erzieher, Lehrkräften und anderen beteiligten Fachpersonen angestrebt

Kosten
Die Psychomotorische Therapie kann vom behandelnden Haus – oder Kinderarzt als ergotherapeutisches Gruppenrezept verordnet werden.
Es besteht auch die Möglichkeit, als Selbstzahler an der psychomotorischen Gruppe teilzunehmen. 
Die Kosten hierfür liegen bei 150,- € für 10 Gruppeneinheiten.

 

"Denn es gibt keine Handlung ohne Grund. Und das, was ein Kind spontan tut, entspricht immer seinen tiefen Motivationen. An uns liegt es, zu verstehen, was dieses Tun ausdrückt und mit unserem eigenen Tun darauf zu antworten." (Bernhard Aucoutuier)

 

Bewegung ist Ausdruck der gesamten Persönlichkeit.

Das Konzept der Psychomotorik geht in Deutschland vor allem auf Dr. Ernst Jonny Kiphard zurück. Der Diplom-Sportlehrer stellte in den 1950er Jahren fest, dass Bewegung und Wahrnehmung von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung der kindlichen Persönlichkeit sind. Er entwickelte Bewegungserlebnisse, die diese therapeutische Wirkung unterstützen.